Studienreise 2006

„In 80 Tagen um die Welt!“ (Jules Verne)

oder „in 10 Tagen durch Rumänien“

Anlässlich des 15jährigen Jubiläums der Temeswar-Arbeitsgemeinschaft Hamburg (TEMAH) planten wir, Elke Reinhardt und ich bereits im vergangenen Jahr eine Studienreise für 2006, um Rumänien, das Land und die Leute noch besser kennen zu lernen.



Am 3.5.2006 ging es dann los unter der Leitung von Wolfgang Halisch (HK- Wolfgang Halisch Kulturreisen).
12 Personen hatten sich für die 10tägige Reise angemeldet.
Das Programm war sehr abwechslungsreich und eine Herausforderung.
Nach der Anreise über Budapest am 3.5. bis Püspökladány in Ungarn fuhren wir am 4. Mai gleich nach dem Frühstück nach Rumänien (über Episcopa Bihor) zu den Moldauklöstern nach Gura Humorolui. Die Straßen wurden zunehmend schlechter, die Schlaglöcher vermehrten sich und hinter Bistriţa begann eine unendlich wirkende, eine 200km lange Straßenbaustelle.



Am folgenden Tag stand dann die Besichtigung der weltberühmten Moldauklöster Moldoviţa, Suceviţa und Voroneţ auf dem Programm. Die Kirchen als solche sind eigentlich recht bescheidene Bauwerke, wenn ich sie vergleiche z.B. mit der Schwarzen Kirche in Braşov (Kronstadt). Was sie aber so einmalig macht und mich wirklich staunen und andächtig werden lässt, sind die byzantinischen Fresken mit denen diese Kirchen über und über, innen und außen bedeckt sind.
Untergebracht waren wir in der Villa Andrea, wirklich ein Geheimtipp. Das morgendliche Frühstück war hervorragend, landestypische Spezialitäten gab es und die Zimmer waren liebevoll eingerichtet und es war absolut ruhig. Die Wirtsleute bemühten sich, dass wir uns wohlfühlen konnten.



Weiter ging es am Sonnabendvormittag, den 6. Mai, über die Bicaz-Schlucht nach Braşov (Kronstadt). An einem Stausee, der auf dem Weg zur Bicaz-Schlucht noch besucht wurde, kamen wir aus staunendem Entsetzen nicht heraus: Tausende, Abertausende von leeren Plastikflaschen und Tüten am Ufer des Stausees. Unbeschreiblich wie viel Plastikmüll, die an sich wunderschöne Landschaft, so rigoros verdreckt. (100 1240) Ist das Zivilisation, wo bleibt das Umweltbewusstsein? Die Bicaz-Schlucht war sehr beeindruckend, die schmale Straße, gesäumt von hohen Felswänden. (100 1260) Geschäftige Händler bemühten sich leidenschaftlich werbend in ihren Holzbuden, gute Kunsthandwerk und schrillen Plastikkitsch an die Touristen zu verkaufen.
Am Abend kamen wir in Brasov (Kronstadt) an. ß


 



Sonntag, den 7. Mai gab es einen Stadtspaziergang durch Brasov. Wirklich eine sehr schöne Stadt, zu spüren der Geist von Johannes Honterus und Mattis Teutsch, ich erinnerte mich an das Buch von Anneliese Drodtloff „Der Holderstrauch ist längst verblüht“ (Roman 1999. Verlag: HÄNSEL-HOHENHAUSEN; FOUQUE-PRESSE, ISBN: 3-8267-4333-4).
Leider ist ein Vormittag zu kurz um diese großartige Stadt näher kennen zu lernen, dafür sollte sich jeder Besucher mehr Zeit nehmen, es lohnt sich wirklich.
Es ging weiter mit unserem Bus, an den wir uns inzwischen gewöhnt hatten, nach Bukarest. Selbstverständlich wurde in Sinaia ein Stopp eingelegt, um Schloss Peleş zu besichtigen. Die deutschsprachige Führung dort durch das Schloss war hervorragend, kurzweilig, geistreich und humorvoll.
Gegen Abend erreichten wir dann die rumänische Hauptstadt Bukarest.


Dort fand am Montag, den 8. Mai, vormittags eine Stadtrundfahrt durch Bukarest statt. Nicht alles konnte angesehen werden, zumal montags auch die meisten Museen geschlossen haben. Am frühen Abend gab es im Musiklyzeum „George Enescu“ ein ARS PONTEM-Klassik-Konzert mit jungen Künstlerinnen und Künstlern. So mancher junge Künstler traf seine deutschen Gastgeber wieder, das war vielleicht ein Hallo. In Bukarest lernten wir den Austauschschüler Manuel Stübecke kennen (siehe Artikel), der seit Spätsommer vergangenen Jahres in Bukarest zur Schule geht.


Dienstag, den 9. Mai, ging die Fahrt weiter nach Sibiu (Hermannstadt).
Auf dem Weg in die für mich schönste Stadt Siebenbürgens, hielten wir in Curtea de Arges. Beeindruckend ist die Kathedrale, die im byzantinischen Stil mit maurischen Arabesken erbaut wurde. In dieser eindrucksvollen und prächtigen Kirche sind König Carol I. und Königin Elisabeth (Carmen Silva) und König Ferdinand und Königin Maria beigesetzt. Leider spielte das Wetter nicht mit und so verzichteten wir auf einen Spaziergang durch den Klosterpark.



Am späten Nachmittag erreichten wir Sibiu (Hermannstadt).
Selbstverständlich stand am Mittwoch, den 10. Mai, vormittags der Besuch des berühmten Brukenthal-Museums (Foto 6) und der Aufstieg auf den Rathausturm auf dem Programm. Die Innenstadt ist eine große Baustelle, vieles wird zur Zeit renoviert und saniert, alles wird vorbereitet für das kommende Jahr, in dem Sibiu Kulturhauptstadt 2007 sein wird. Leider ging es dann mittags viel zu schnell weiter nach Timisoara (Temeswar), wo wir am Abend ankamen.


Am nächsten Morgen machten wir eine Stadtführung durch die Innere Stadt. Im Deutschen Forum gab es einen kurzen Zwischenstop, wo uns der Liederkranz mit Kaffee und Kuchen erwartete und mit dem deutschen Volkslied „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“ und dem selbstgedichteten Lied: „Wir grüßen euch in Temeswar...“ willkommen hieß. Am Nachmittag besuchten wir die Kunsthochschule Temeswar und den Bildhauer Peter Jecza in seinem einzigartigen Haus. Am Abend trafen wir uns mit unseren rumänischen Freunden und Partnern zu einem geselligen Abend.
Freitag, den 12. Mai, erwartete uns S.E. der Metropolit Dr. Nicolae Corneanu zu einer einstündigen Audienz. Nach einem Spaziergang durch das sonnige Temeswar fuhren wir am Nachmittag nach Budapest, wo wir am nächsten Morgen zurück nach Hamburg flogen.


En Detail zu beschreiben was wir alles erlebt und gesehen haben, das wäre einfach zu viel des Guten. Deshalb nur diese kurze Zusammenfassung.


Abschließend möchte ich allerdings sagen, dass Rumänien schon eine Reise wert ist.
Die Landschaft der Bukowina, die alten Städte Siebenbürgens, das quirlige Leben der Metropole und die Offenheit des Banats sind einfach beeindruckend. Allein für Siebenbürgen sollte man ausreichend Zeit einplanen.
Leider mussten wir feststellen, dass die Preise für die Unterbringung und Verpflegung, gerade in den großen Städten ziemlich überzogen sind. Der Service und das Gebotene dagegen sind nicht immer gut. Da bleibt die Vermutung, dass man schnell zu Geld kommen möchte und das auf Kosten der Touristen. Da gilt es noch einiges zu Lernen.
So eine Rumänienrundreise ist eine anstrengende Sache. Sicherlich wäre es sinnvoller sich einzelne Gegenden mit mehr Zeit anzusehen. Das haben wir uns vorgenommen. Vielleicht schon im nächsten Jahr.
Phileas Fogg und sein Diener Passepartout mögen in 80 Tagen die Welt umrundet haben, aber bestimmt haben sie nicht Rumänien besucht, dann hätten sie, genauso wie wir eigentlich, viel mehr Zeit haben müssen.

Manfred Ehm


Alle Fotos auf dieser Seite: Ehm


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